Posts Tagged 'südfrankreich'

Wieder mal Südfrankreich

Ein paar Bilder, die ich aus einem Familienosterurlaub in der Provence mitgebracht habe…

Gorges du Verdon

LT_150823_0014

Ende August waren Magdalena, Jaköbchen und ich für eine Woche in Südfrankreich. Wir wollten uns mal eine neue Ecke anschauen und fuhren diesmal in die östliche Provence, an den Rand der Verdonschlucht. Die Schlucht ist teilweise fast 700m tief und landschaftlich dementsprechend beeindruckend. Ein besonderes Flair wird ihr zudem von den hier wieder angesiedelten Gänsegeiern verliehen: es ist einfach toll, in solch einer großartigen Kulisse zum Himmel zu schauen und da die riesigen Vögel kreisen zu sehen.

Wir hatten uns vorab Tipps besorgt, wo man gute Blicke auf die Geier erhaschen kann, und fuhren auch schon am zweiten Tag mal zu einem Aussichtspunkt. Schon aus mehreren Kilometern hatte ich die ersten Vögel im Fernglas gefunden. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen. Es gibt nämlich Parkplätze an den landschaftlich besonders reizvollen Stellen der Route des Cretes, die sich an den Steilklippen entlangschlängelt – und genau dort fliegen in schöner Regelmäßigkeit die Geier dicht vorbei. Also je spektakulärer der Ausblick, umso größer der Parkplatz und umso besser die Chancen auf hervorragende Geiersichtungen.

Gucken ist also recht leicht. Fotografieren weniger, denn die Gänsegeier starten erst am späten Vormittag in den Tag, wenn es genügend Thermik gibt. Da wir meistens sehr sonniges Wetter hatten, kann man das Knipsen dann aufgrund des harten Lichts ebenso gut sein lassen. So haben wir uns größtenteils mit eher dokumentarischen Schnappschüssen begnügen müssen. Andererseits hatten wir, während wir morgens darauf warteten, daß sich die Geier in die Lüfte erheben möchten, auch andere schöne Beobachtungen von Alpenkrähen und Felsenschwalben sowie auch von Schlangenadlern, Blauracke und Zippammer.

Verdon heißt aber nicht nur Gänsegeier. Gleich am Straßenrand und auf Brachflächen fanden wir – gemessen an der Jahreszeit erstaunlich – viele Schmetterlinge, darunter auch Arten, die bei uns kaum zu kriegen sind wie den Graublauen Bläuling. Und Makrofotografie macht ja auch Spaß. Vielleicht gerade weil es so schwierig war, von den Vögeln ästhetisch ansprechende Bilder zu bekommen, machte das Fotografieren der kleinen Falterchen Freude. Denn dabei hat man doch wesentlich mehr Kontrolle über die Gestaltung und die Lichtführung.

So vertrieben wir uns die Woche sehr schnell mit Faltern (bei schönem Licht), Geiern (bei scheiß Licht), länglichem Herumgegurke auf den Serpentinen, schändlicher Vernachlässigung der Landschaftsfotografie und dem Konsum billigen Rotweins. Ein schöner Urlaub!

Südfrankreich Teil 2: Camargue und Crau

Camargue

In der Camargue verbrachten wir knapp zwei volle Tage, was schon den Großteil des kurzen Urlaubs ausmachte. Jetzt wurde es ein wenig vogellastig – was aber keinen großen Unmut auslöste, im Gegenteil.

Nachdem wir nachmittags angekommen waren, auf dem Campingplatz in Saintes-Maries-de-la-Mer unsere Zelte aufgestellt und dort bereits einige interessante Arten gesichtet hatten (Samtkopfgrasmücke, Seidensänger, Haubenlerche, erneut Brachpieper und überfliegende Brandseeschwalben), machten wir uns gegen Abend zu den naheliegenden Lagunen auf. Gleich hinter dem Campingplatz konnten wir u.a. Flamingos, Grau-, Seiden- und Nachtreiher, Brandgänse, Säbelschnäbler und weitere Limikolen beobachten. Zwar waren die meisten Vögel zu weit entfernt für Aufnahmen, aber andere kamen dafür umso näher: ein Seidenreiher hatte den Ausfluß eines kleinen Kanals in die Lagune als Fischplatz entdeckt, zog dort einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser und duldete eine Annäherung auf wenige Meter. Als es dunkel wurde, versuchten wir, die in der Lagune stehenden Reiher in Langzeitbelichtungen festzuhalten. So ein Reiher steht ja manchmal minutenlang völlig still und erlaubt entsprechende Belichtungszeiten. Selbstverständlich greift in solchen Situationen bisweilen Murphys Gesetz, und ein bis dahin völlig bewegungsloser Reiher latscht im Moment der Belichtung plötzlich doch los, oder ein anderer meint plötzlich ins Bild treten zu müssen, um es zu versauen. Einige Aufnahmen sind aber trotzdem halbwegs „sauber“ geworden.

An diesem langen Abend vermißten wir leider Stelzenläufer, eine hochattraktive Art weit oben auf unserem Fotowunschzettel. Doch am folgenden Morgen hatten wir an gleicher Stelle Glück: Ein Trupp Stelzenläufer schien in einer kleinen Schlenke übernachtet und geradezu auf uns gewartet zu haben…

Stelzenläufer

Stelzenläufer

Den Tag über fuhren wir mit dem Auto über die Schotterpisten und suchten die Lagunen und Schilfgebiete nach Motiven ab. So fanden wir rasch weitere Stelzenläufer, Sichler, Seeregenpfeifer und andere Vögel, die uns trotz mittelmäßiger Bildausbeute sehr freuten. Am späten Nachmittag entdeckte Joachim zwischen Rosaflamingos einen viel kleineren, roten Flamingo – Zwergflamingo! Diese Art scheint sich in den letzten Jahren langsam in Südfrankreich zu etablieren. Ob es sich um Wildvögel oder (teilweise) entwichene Individuen handelt, ist derzeit noch nicht ganz klar. Unser Vogel war unberingt, aber das muß nicht viel heißen.

Den Abend verbrachten wir dann wieder an unserer Hauslagune hinter dem Campingplatz. Die Stimmung war eine ganz andere als am Vortag – der Wind wurde stärker, die Wolken zogen zu; die Vögel waren nicht so nah. Die fotografische Ausbeute war deutlich geringer. Am ersten Abend hatten wir wohl einfach mehr Glück.

ein Flamingopaar

Seidenreiher

rastende Alpenstrandläufer

Flamingowischer in der Dämmerung

Der folgende Morgen war schon der letzte des Urlaubs. Wir probierten es nach einigem Überlegen nochmal mit einer Pirschfahrt, aber zunächst war die Suche nach fotogenen Motiven völlig erfolglos. Als ich aus einem Busch am Straßenrand einen Seidensänger hörte – und kurz darauf einen zweiten Sänger 50m entfernt – , versuchten wir es mal mit dieser Art. Seidensänger leben unheimlich versteckt und kommen selten aus der Deckung, und auch dann nur für Sekunden, um niedrig über dem Boden zum nächsten Busch zu fliegen. Andererseits sind sie nicht besonders scheu und lassen sich mit etwas Geduld dann und wann doch mal kurz sehen. „Unser“ Vogel sang eifrig und war auf diese Weise meist gut zu lokalisieren, sodaß wir vor seinem Busch in Position gehen konnten. Zeigte er sich mal kurz, gab’s eine knatternde Salve von drei auslösenden Kameras. Nach einer guten Stunde hatte jeder von uns ein vorzeigbares Bild. Hier sein Lebensraum…

LT_140419_0047

… und der Vogel selbst, eine Schönheit auf den zweiten Blick:

LT_140419_0040

Damit war die Bilanz des Vormittags dann doch noch ganz ordentlich. Wir kehrten um, packten unsere Sachen ein und verließen die Camargue. In nordöstlicher Richtung, also ohne nennenswerten Umweg zu erreichen, wollten wir uns zum Schluß noch kurz die Crau ansehen, eine karge Steinsteppe. Unter Libellenfreunden ist das Gebiet für den Canal des Vergières bekannt, einen „heiligen Bach“ mitten in der Steppe, an dem sehr viele teils seltene Libellenarten fliegen. Vor ein paar Jahren, in meiner inzwischen überwundenen Odonatenphase, war ich mal dagewesen. Als wir jetzt ankamen, flogen auch bereits einige wenige Libellen – Gebänderte und Bronzene Pracht- sowie Frühe Heidelibellen und Helm-Azurjungfern. Wegen des starken Windes verzichteten wir aber auf Bilder. Stattdessen liefen wir ein bißchen im Umkreis herum, drehten (wieder ohne Fund) Steine um und schauten nach Vögeln. Das lohnte sich besonders. Bei meinen vorigen zwei Besuchen an der Stelle hatte ich nicht auf die exquisiten Arten geachtet, sondern war nur im Bach bei den Libellen herumgestiefelt. Ein schwerer Fehler. Wir sahen Mittelmeer-Raubwürger, Rothühner, Schmutzgeier, einen überfliegenden Purpurreiher, Steinschmätzer, Haubenlerchen, viele Schwarzmilane und als Highlight zwei Triele. Würger, Geier und Triel waren für mich gleich drei neue Arten innerhalb einer guten Stunde! Fotografisch mußten wir uns allerdings auf ein paar bescheidene Landschaftsaufnahmen beschränken. Kurz nach Sonnenuntergang konnte ich mit einer singenden Grauammer dann das letzte Motiv des Urlaubs aufnehmen – mit einer singenden Grauammer in den Cevennen war es vier Tage zuvor auch losgegangen. Als es dunkel wurde, fuhren wir fort und waren am frühen Morgen wieder zu Hause.

LT_140419_0057

LT_140419_0070

LT_140419_0071

 

Südfrankreich Teil 1: Cevennen

Über Ostern waren Joachim, Torsten und ich ein paar Tage in Südfrankreich. Natürlich viel zu kurz. Wir fuhren zunächst in die südlichen Cevennen, wo wir im Vorfeld einige potenziell interessante Stellen ausgekundschaftet hatten und auf Perleidechse, Osterluzeifalter und Orchideen hofften. Rechtzeitig vor Sonnenaufgang legten wir in der Nähe des Örtchens Perpignan unseren ersten Halt ein und suchten die trockene Garrigue nach Motiven ab:

Morgendämmerung bei Perpignan, Cevennen

Bereits am Straßenrand fanden wir die erste Orchideenart, einige Gelbe Ragwurzen (Ophrys lutea). Bei Sonnenaufgang sangen viele Grauammern, zwei Heidelerchen, mehrere Grasmückenarten, Kuckucke, Wiedehopf und andere Vögel. Im hohen Gras entdeckte ich einen Brachpieper, und auch die ersten Schmetterlinge wurden schnell gefunden – ein Gelber Aurorafalter (Anthocharis euphenoides) und viele Graublaue Bläulinge (Pseudophilotes baton).

Brachpieper

Gelber Aurorafalter

Graublauer Bläuling

Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, in der Hoffnung auf Reptilien Stein um Stein umzudrehen, allerdings ohne Erfolg. Auf der Weiterfahrt sahen wir eine Perleidechse am Straßenrand, die leider aber sofort davonlief. Die lang andauernde Suche nach einem geöffneten Campingplatz nötigte uns, bis in den Nachmittag mit dem Fotografieren zu pausieren – andererseits knallte die mediterrane Sonne so erbarmungslos herab, daß man ohnehin keine Bilder hinbekommen hätte. Schließlich schauten wir uns das enge Hérault-Flusstal ein bißchen an (Wasseramsel, Gebirgsstelze, Felsenschwalben) und blieben dort bis zum Einbruch der Nacht.

Am Hérault

LT_140416_0175

Am Hérault

Auf unserem Zeltplatz in einem kleinen Kiefernwäldchen rief abends eine Handvoll Zwergohreulen, die wir im Schein der Taschenlampe auch schwach sehen, aber nicht fotografieren konnten. Daß ich zunächst schlecht einschlief, hatte den Vorteil, gegen Mitternacht noch einen Uhu in der Nähe zu hören…

Am nächsten Morgen machten wir uns früh in einen Olivenhain in der Nähe auf, um dort zu fotografieren. Eine ausführlich singende Zaunammer und ein Steinkauz waren schön zu beobachten, für Fotos aber zu weit weg; eine Hauben-Fangschrecke (Empusa pennata), die ich unter einem kleinen Busch fand, ließ sich hingegen gut aufnehmen. Auch hier fanden wir wieder Gelbe Ragwurzen.

Olivenhain

Hauben-Fangschrecke

Gelbe Ragwurz

Fotografisch gelang uns an diesem Tag in den Cevennen nichts mehr, sodaß wir uns am frühen Nachmittag entschlossen, aufzubrechen. Wir wollten noch in die Camargue – darüber werde ich im nächsten Blogpost berichten.

 

 


Klicke hier, um per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten