Sehnsüchte…

Gerade hab ich wieder Fernweh nach Costa Rica. Da dachte ich mir, ich zeige mal unpassend zur Jahreszeit und Stimmung eine hier noch nicht präsentierte Bildserie über die Kolibris. Obwohl unser Prof uns am Abend der Ankunft noch weismachen wollte, er habe in dem Gebiet noch nie welche gesehen, haben wir gleich am ersten Morgen eine gute Stelle 200 Meter vom Haus ausmachen können. So ist das, wenn einer nur auf die Nachtfalter schaut…

Im Lauf der Zeit hatten wir immer selbst auf der Terrasse immer wieder Kolibris und sahen fast täglich welche.

Das Fotografieren ist natürlich wieder was anderes, wie fast immer. Als besten Standort hatten wir einen Heliconia-Bestand ausgemacht, an dem häufig einige Kolibris umherschwirrten. Am aktivsten waren sie am frühen Morgen, wenn das Licht im dunklen Wald noch weniger ist als sowieso schon. Aufgrund der Höhe der Pflanzen mußten wir eine Leiter benutzen und freihand fotografieren, da unser Versuch, eine mobile Plattform zu installieren, völlig erfolglos war. Auch der Trick, einige Blüten abzuschneiden und weiter unten vor einem Versteck anzubringen, funktionierte wegen des zu großen Angebots an anderen Blüten überhaupt nicht. So blieb das wenig erbauliche Knipsen von der Leiter. Fürs Bild hat man meist nur winzige Momente, bis der Vogel wieder aus dem Bild schwirrt. Letztlich sinds fast alles Glücksschüsse.

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Artensammler

schöne Arctiiden

Aufgrund mehrfacher Nachfrage hab ich vorhin während einer Zugfahrt mal ein paar Falter aus Costa Rica zusammengebastelt. Die hier zu sehenden Arctiiden wurden fast alle abends beim Lichtfang direkt auf dem Laken fotografiert, einige wenige auch auf weißem Papier. Da wir während der zwei Monate fast jeden Abend mehrere Stunden lang gesammelt haben und jeder Abend wieder anders war, ist eine große Artenzahl zusammengekommen – ich habe längst nicht alle fotografiert. Hier sind sowohl sehr häufige, die fast jeden Tag dabei waren, als auch sehr seltene dabei.  Die Zahl von 54 ergibt sich aus meiner Rücksicht auf das 3:2-Format und dem Wunsch nach quadratischen Einzelbildchen. Vielleicht ist’s ja für den einen oder anderen interessant. (Das Bild durch Draufklicken zu vergrößern, lohnt sich.)

Im Nebelwald von Monteverde

Die Costa-Rica-Bilder sind noch nicht abgearbeitet! Ein Highlight war der Besuch im Monteverdegebiet. Diese Bergwälder liegen zwischen 1600 und 1800 Meter im Westen des Landes und werden den sogenannten Nebelwäldern – einer bestimmten Art des tropischen Regenwalds – zugerechnet. Das heißt, die Berge sind fast immer neblig und wolkenverhangen, es ist relativ kühl und die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Die Wälder, die ich zuvor im Nordwesten rund um unsere Station kennengelernt hatte, waren damit verglichen staubtrocken. Dementsprechend ist die Vegetation der Nebelwälder nochmal um einiges dichter, vor allem Epiphyten wie Bromelien, Farne, Moose und Orchideen gedeihen prächtig.

Das Gebiet ist, vorsichtig gesagt, touristisch gut erschlossen. Von der Transamericana fährt ein klappriger Bus über eine ausgesprochen schlecht ausgebaute Straße hinauf in die Berge und lädt einen nach zweieinhalb Stunden in dem Örtchen Santa Elena ab, welches unmittelbar neben dem großen Monteverdeschutzgebiet liegt. Man wird, kaum aus dem Bus gekrabbelt, von Menschenfängern umringt, die einem Übernachtungsmöglichkeiten, Besuche im Schlangenhaus, Bungeespringen, geführte Nachttouren, Kaffee, Taxis und wasweißich andrehen wollen. Eine kurze Inspektion des Örtchens fördert zutage, daß es ausschließlich auf das Ausnahmen der westlichen Touristen ausgelegt ist, was hervorragend zu funktionieren scheint. Übernachten kann man zwar recht günstig (9$ im Hostel), für alles andere werden aber ohne mit der Wimper zu zucken Apothekenpreise verlangt und auch bezahlt. Außer Hotels und Restaurants gibt es selbstverständlich ein florierendes Gewerbe mit Souvenirs, welches dem Touristen die ersehnte Möglichkeit gibt, allerlei unnützen Tand zu kaufen. Panamahüte mit dem Logo einer populären Brauerei gehören noch zu den praktischsten Sachen.

Wenn man hier unvorsichtig behauptet, man wolle eigentlich nur ein wenig wandern und sich den Wald angucken – möglicherweise noch naiv nach einer Karte fragt – , schaut einen der Hostelmensch kurz schräg an und beginnt dann einen langen Vortrag. Der Vortrag wird dank jahrelanger Übung sehr flüssig vorgetragen und ist im Wesentlichen des Inhalts, daß

[…] the next bus to bungee jumping goes in half an hour und if you want to see animals, don’t go to the forest, because you won’t see any. Take a guided tour, it starts at 11, 14, and 16:30. It is 30$ per person, the bus goes right here in 10 minutes and is included. You can go where you want will come back two hours later, and then you can chill out in the lounge or check the restaurants. You can also write postcards! But the best is, you can do Canopying, which means you swing at a rope through the forest like Tarzan for 45$, or like Superman for 55$, the bus for Superman Canopying goes at 12 o’clock […]

Natürlich ist das alles äußerst reizvoll, aber da wir den Wald nicht als Vergnügungspark nutzen wollten, sondern zum Spazierengehen (altmodisch!), entschieden wir uns schließlich für einen Rundgang über 10 Canopy-Brücken. Die hat man dort dankenswerterweise über die Täler gespannt, sodaß der Besucher den Wald von oben sehen kann. Da der Hostelmensch uns von den Gefahren eines Fußwegs bis zum Ausgangspunkt der Brückentour überzeugt hatte (immerhin wären knapp fünf Kilometer zu bewältigen gewesen, und bis dahin kann man leicht verdursten), nutzten wir einen der kleinen Touribusse, um hinzukommen. Die Brückentour war dann zugegebenermaßen gar nicht mal ganz so schlecht.

Nachdem wir den Schock dieses Naturerlebnisses mit einer medizinisch vertretbaren Menge Rum ausgeglichen hatten, machten wir uns am nächsten Tag auf eine gefährliche Expedition und unternahmen an einer anderen Stelle einen Spaziergang. Im Monteverde Cloud Forest Reserve begegneten wir dann nur recht wenigen Menschen und hatten den ganzen Tag, um den Wald zu genießen und uns mit dem Erlebnistourismus zu versöhnen. Man muß dazu der Fairneß halber sagen, dass weit über 90% der Nebelwälder Vollschutz genießen und kein Weg hindurch führt; die Touristenvergnügungen werden geballt auf ein paar Hektarn angeboten. Die meisten Touris sind offenbar tatsächlich mehr auf Superman-Action aus als auf ein Kennenlernen der Natur, und wenn diese Bedürfnisse auf relativ kleinem Raum befriedigt werden können, ohne das Gebiet als ganzes zu belasten, ist das vielleicht gar kein schlechtes Konzept. Davon abgesehen sind auch wir Naturheinis letztlich auf unsere Kosten gekommen, wenngleich wir auf den Zirkus drumrum hätten verzichten können. Die Wälder sind, schlicht gesagt, toll.

Tropische Küstenvögel

Mit etwas Wehmut und Fernweh habe ich in den letzten Tagen die vielen Bilder aus Costa Rica durchgeschaut. Heute gibt’s einen weiteren Rückblick. Ich bleibe thematisch erstmal an der pazifischen Küste, von der ich ein paar schöne Stückchen zu Gesicht bekam. Für die karibische Küste hat es leider zeitlich nicht mehr gereicht, da das Reisen dort beschwerlicher und langsamer vonstatten geht als in Mitteleuropa. Aber der Pazifik hat natürlich auch sehr viel zu bieten, ich konnte eine große Zahl interessanter Vogelarten und anderer Sachen beobachten und will hier ein paar davon vorstellen.

Braunpelikane erfüllen sozusagen die Funktion, die bei uns Möwen haben: In Schwärmen hinter Fischerbooten herfliegen, entspannt suchend herumsegeln und gelangweilt in den Häfen sitzen. Sie erfüllen sie offenbar ziemlich gut, denn man sieht tatsächlich keine Möwen, die ihnen diese Nische streitig machen würden.

Ein anderer häufiger Vogel ist die Dohlengrackel, deren Gesang ihrem klangvollen Namen voll gerecht wird. An den Küsten üben die Grackeln fleißig, Watvögel nachzuahmen, indem sie am Spülsaum umherhüpfen und angespülte Nahrung aufnehmen. Sie fürchten sich aber vor dem Wasser und sind daher ständig in Bewegung.

Aber natürlich gibt es, wie an jeder anständigen Küste, auch echte Watvögel zu sehen. Viele von ihnen kommen hier auf dem Zug aus Nordamerika vorbei, man sieht sogar aus Europa vertraute Arten wie Steinwälzer und Regenbrachvogel, die zirkumpolar brüten.

In den Mangrovensümpfen findet man weitere schöne Arten. Den Rotbrustfischer, den größten Eisvogel Amerikas, fand ich ebenso beeindruckend wie den Nacktkehlreiher, welcher an eine Rohrdommel erinnert. Auch Schnee-, Grün-, Silber- und Dreifarbenreiher habe ich ein paarmal gesehen, aber keine zeigbaren Bilder zustandebekommen.

Wieder Pazifik

Ein erster Rückblick auf die Zeit in Costa Rica besteht heute aus einigen Aufnahmen, die an einem langen Abend am Pazifik entstanden. Wir waren an der Bahía de Salinas, einer recht einsamen Bucht nah an der Grenze zu Nicaragua. Ein knalliger Sonnenuntergang und ein danach ab und zu fast wolkenloser Nachthimmel ermöglichten schöne Landschaftsaufnahmen. Außerdem widmete ich mich den kleinen Krabben, die in großer Zahl im Sand herumliefen, und den Sandstrukturen im Spülsaum.

Unverhofft kommt oft: Rotaugenlaubfrosch!

Eine Woche vor der Rückkehr nach Deutschland ist mir heute überraschend noch ein Wunschmotiv begegnet: Der Rotaugenlaubfrosch (Agalychnis callidryas). Dieser auf Bäumen lebende Frosch mit den leuchtend roten Augen ist sicher eins der bekanntesten und plakativsten Tiere Mittelamerikas. Eine Mitpraktikantin fand dieses Exemplar zufällig in der Nähe unseres Hauses und brachte es sofort vorbei, wo der Fund für hellichte Begeisterung sorgte. Wir haben das Tierchen dann nach ausgiebiger Bewunderung ein paar Meter in den Wald getragen und auf einem Ästchen ein paar Aufnahmen gemacht. Da der Frosch eigentlich nachtaktiv ist, verhielt er sich relativ ruhig und schlief bald wieder ein. Ich freu mich sehr, auch diese tolle Art zu Gesicht bekommen zu haben.

Betrachtungen des Dschungels

Ein trüber, verregneter Nachmittag gibt mir gerade die Gelegenheit, ohne schlechtes Gewissen vor dem Laptop herumzuhängen und ein paar Bilder zu sichten. Im Folgenden ein paar zusammengekratzte Waldbilder aus den vergangenen Wochen. Ich habe hier in letzter Zeit ein paar richtig schöne Spots gefunden und auf weiteren Ausflügen in die Umgebung weitere bewundern dürfen. Jedesmal wieder bin ich von der Dichte und Eigenart des Regenwalds absolut hingerissen und von der ganz andersartigen Räumlichkeit dieses Lebensraumes mindestens genauso begeistert wie von der floristischen und faunistischen Vielfalt, die darin wartet. Tatsächlich sind mir einige dieser Bilder die liebsten aus der ganzen Zeit hier.