Wiedehopf

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Seit mehreren Jahren stand der Wunsch, sich mal ausführlich mit Wiedehopfen zu beschäftigen, weit oben auf meiner Fotowunschliste. In diesem Sommer wurde er endlich erfüllt – auch dank Manfred Weber vom NABU Offenburg. Manfred hat in den letzten 8 Jahren rund um seinen Wohnort im nördlichen Ortenaukreis knapp 100 Brutkästen an geeigneten Stellen ausgebracht, wodurch die Population in kurzer Zeit von nahe Null auf gute 40 Brutpaare (dieses Jahr 46 Brutnachweise, 3 mal Brutverdacht) anwuchs. Ein unglaubliches Wachstum und ein tolles Ergebnis seiner Bemühungen. Damit nähert sich der Bestand bald schon dem des Kaiserstuhls an (zur Zeit rund 100 Brutpaare), der doch sonst als Hotspot für den Wiedehopf im Südwesten gilt. Die wachsende Population in den Obstbaugebieten der Ortenau hingegen haben viele nicht so auf dem Schirm. Als ich Manfred letztes Jahr kennenlernte, war ich selbst erstmal ungläubig bei den von ihm genannten Zahlen. Wen es genauer interessiert, dem sei dieser Artikel von Manfred zur Lektüre empfohlen.

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Das Angebot an Nisthöhlen ist in der Ortenau der Flaschenhals für die Populationsgröße. Das Nahrungsangebot ist so gut, dass es recht hohe Gelegegrößen und sogar viele Zweitbruten ermöglicht. Wiedehopfe stochern ja vorzugsweise mit dem Schnabel im Erdreich nach Insekten, was nur dann gut funktioniert, wenn die Vegetation niedrig ist. In den sehr vom Obstbau geprägten Landschaften werden viele Flächen – gerade direkt unter den Obstbäumen – regelmäßig und tief gemäht, sodaß die Hopfe gut an ihre Würmer kommen.

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Anfang Juli zeigte mir Manfred ein paar zum Fotografieren geeignete Brutkästen. Eigentlich viel zu spät, sollte man meinen, denn die Hopfe brüten in der Regel zwischen Mitte April und Anfang Juni. Wo aber das Nahrungsangebot so gut wie hier ist, ziehen einige Paare noch eine zweite Brut hoch, zwar oft mit etwas geringerer Gelegegröße, aber immerhin. Weil nun statt fünf oder sechs – oder noch mehr – Jungvögeln nur ein bis drei auf Futter warten, erfolgen die Fütterungen bei den Zweitbruten tendenziell seltener. Einmal mußte ich zweieinhalb Stunden im Tarnzelt auf den nächsten Anflug warten. Sonst flog aber meist zwei- bis viermal pro Stunde einer der Altvögel mit Futter an.

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Um die wenigen Anflüge voll auszunutzen, arbeitete ich hier simultan mit zwei Kameras. Eine hatte ich in 10-12 Meter Entfernung vom Nest bei mir im Tarnzelt. Die zweite stand etwas näher, orthogonal auf die Einflugschneise der Hopfe ausgerichtet, manuell vorfokussiert und mit Funkauslöser bestückt. Das schien mir erfolgversprechend für Flugaufnahmen. In der Tat brauchte ich erstaunlich wenige Fehlversuche, bis ich einen geeigneten Ausschnitt und eine gute Schärfeebene gefunden hatte, und die Trefferquote lag bei einigen Anflügen durchaus bei 1/4 bis 1/3, was ich nicht erwartet hätte. Oft flogen sie natürlich nicht senkrecht auf die Höhle zu, sondern kamen etwas von vorn oder hinten, aber bei einigermaßen „gerader“ Anflugrichtung paßten dafür meist gleich mehrere Aufnahmen einer Serie. Das lag sicher auch daran, daß Wiedehopfe ziemlich langsam fliegen und die Vögel daher vergleichsweise lange in dem engen Fenster, in dem ich sie erwischen konnte, verblieben, bevor Kopf oder Schwanz abgeschnitten waren. Ihre Flugposen, die sich später auf den Bildern offenbarten, waren aber auch zu köstlich:
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Auf den Bildern erkennt man übrigens recht schön die Hauptnahrung – Maulwurfsgrillen.

Die Bedingungen vor Ort waren für die Flugaufnahmen aus einem Grund besonders gut: Der Bereich vor dem Einflugloch lag nämlich ab dem frühen Vormittag im Schatten. So konnte ich bis in den Mittag problemlos weiterfotografieren, ohne mir über zu hart werdendes Licht Sorgen machen zu müssen. Wie man auf den beiden folgenden Bildern sieht, wurde das Licht schon bald nach Sonnenaufgang relativ grell, und die später entstandenen Bilder, wo der Hopf sich im abgeschatteten Bereich befindet, sind etwas ausgewogener.

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Wo es dann schon ganz gut lief, packte ich an einem Morgen sogar mal das Weitwinkel auf die funkausgelöste Kamera und knipste den anfliegenden Hopf damit aus einer ungewöhnlichen Perspektive:

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Mein Lieblingsbild entstand – wie das manchmal so ist – mit einer gewissen Portion Zufall. Ich war zum späten Nachmittag zu den Hopfen gefahren, um Flugaufnahmen im Gegenlicht zu machen. Die Versuche sind aber offen gesagt mißraten, da muß ich mich bei anderer Gelegenheit nochmal dranwagen. Als die tiefen Sonnenstrahlen so gerade noch den Nistkasten erreichten, kam der Wiedehopf zum letzten Mal für diesen Abend angeflogen. Unmittelbar, bevor er wieder davonflatterte, drückte ich noch dreimal auf den Funkfernauslöser und bekam immerhin ein Portrait. Wie die Federhaube in diesem Licht leuchtet, berührt mich immer noch…

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