Sperbereule im Nordschwarzwald

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Mit gehöriger Verspätung berichte ich heute über eine wirklich phantastische Begegnung. Im November 2014 war eine Sperbereule im Nationalpark Nordschwarzwald entdeckt worden, was über Umwege trotz Geheimhaltung durch die Parkranger – die angesichts des seltenen Gasts einen Ansturm von Fotografen und Ornis befürchteten – auch zu mir durchsickerte. Da war ich aber gerade in Köln und ein paar Tage später war dann rauszukriegen, die Eule sei wohl grundsätzlich noch im Gebiet, aber nur mit sehr viel Glück frühmorgens mal kurz zu sehen. Ob das damals stimmte, weiß ich jetzt nicht, ich gebe nur Gerüchte wieder. Da ich nur von negativen Erfahrungen hörte und das Wetter überdies ungünstig war, fuhr ich dann nicht hin.

Doch Ende März erreichte mich – wieder über Umwege und unter dem Versprechen größter Geheimhaltung – die Info, daß sich die Eule immer noch (oder wieder) auf der Badener Höhe aufhalte und zuverlässig zu sehen sei. Am nächsten Tag packten Magdalena und ich Fotozeug, Fernglas und unser Jaköbchen ein und fuhren hinauf. Wir wußten, daß uns eine Stunde Fußmarsch vom nächsten Parkplatz bis zur Eule trennten. Aber daß auf knapp 1000m auch Ende März noch so viel Schnee liegen würde, daß ein Durchkommen mit dem Kinderwagen auf den letzten zwei Kilometern unmöglich war, hatten wir nicht einkalkuliert und mußten den Kleinen dann durch zunehmend tiefen, matschigen Schnee schleppen (nachdem das Tragen des Wägelchens über die Schneefelder zu anstrengend geworden war).

Doch es lohnte sich: Die Eule war noch da – keine fünf Meter vom Weg saß sie auf der Spitze einer jungen Fichte. Das Fernglas brauchten wir nicht.

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Nebenbei bemerkt war es wohl die einzige Sperbereule, die sich in diesem Winter in Deutschland aufhielt. Diese Art bewohnt Europa nur weit im Norden und Nordosten und verbringt auch den Winter dort. In Mittel- und Westeuropa tritt sie nur als extrem seltener, unregelmäßiger Gastvogel auf. Seit dem Erstnachweis 1790 wurden nur etwas über 170 Vögel in Deutschland festgestellt und von ihnen 102, letztmals 1929, geschossen. (Wenigstens sind diese Nachweise dann gesichert, da viele Bälge noch erhalten sind. Viele historische Beobachtungen sind ja leider nur eingeschränkt glaubwürdig, weil die Bestimmungsliteratur viel schlechter war und man noch keine Foto- oder Tondokumente kannte.) Entsprechend ihrem Verbreitungsgebiet sind Nachweise in Nord- und Ostdeutschland wesentlich häufiger, die Beobachtung im Schwarzwald ist erst die 8. in Baden-Württemberg (vgl.: Krüger, T. 2013: Das Vorkommen der Sperbereule Surnia ulula in Deutschland. Vogelwelt 134: 203-232). Es war also schon mal ein Glücksfall, eine vergleichsweise kurze Anfahrt zu haben, um diese Art sehen zu können (in Nordschweden vor zwei Jahren hatte ich sie leider nicht gekriegt!). Fotografisch war es ein fast noch größerer Glücksfall, daß sich die Eule ausgerechnet in einem großen Totholzbereich im Nationalpark aufhielt. Zwar hat man Einschränkungen, was die Beweglichkeit angeht – denn man sollte hier natürlich die Wege nicht verlassen – , aber die Umgebung sieht tatsächlich sehr passend für die Sperbereule aus. Bei Eulen in den vergangenen Jahren, die dann z.B. am Rand von Siedlungen oder auf Obstbäumen herumsaßen, war das nicht immer der Fall… Die Nebelstimmung tat das ihre dazu!

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Unseren lustigen Familienausflug beendeten wir nach einer Stunde, denn der Nebel wurde so dicht, daß die Eule auf ihrem Baum kaum noch zu sehen war (und außerdem war nicht genug Kinderspielzeug vor Ort). Zwei Tage später war ich noch einmal allein oben und hatte wieder das Glück, die Eule schon nach zehn Minuten zu finden. Frische Trittsiegel eines Auerhahns mitten auf dem Weg waren ebenfalls eine hübsche Entdeckung.

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Die Balzzeit der Auerhühner war zu dem Zeitpunkt sicher schon voll im Gang, was die Nationalpark-Ranger mit dazu bewogen haben mag, den Wiederfund der Eule weiterhin geheim zu halten. Ich habe – mit Grummeln und aufgrund meines Versprechens – die Politik der Geheimhaltung auch mitgetragen, obwohl ich natürlich viele Leute wüßte, denen ich die tolle Beobachtung genauso gegönnt hätte. Natürlich wäre im Nationalpark ein starker Andrang von Fotografen und Ornis möglicherweise brisant (als sich vorigen Winter im Harz eine Sperbereule aufhielt, hatten einige Fotografen wohl weiße Labormäuse ausgesetzt, um die Eule beim Jagen zu knipsen: sowas wäre natürlich im Nationalpark erst recht zu unterbinden!). Aber andererseits ist es doch schließlich ohnehin Aufgabe der Ranger, hier nach dem Rechten zu sehen, damit niemand von den Wegen abweicht und die anderen Tiere verschreckt. Der längere Fußmarsch hätte wahrscheinlich sowieso auch viele „Parkplatzfotografen“ vom Kommen abgehalten. Und nicht zuletzt sind ein spektakulärer, toll zu sehender Vogel und viele Leute, die sich daran begeistern, doch eine tolle Werbung für den Nationalpark und den Naturschutz.

So sind es wohl nur überschaubar viele Leute gewesen, die diesen tollen Vogel zu Gesicht bekommen haben. Ich bin aber sehr froh, dabei gewesen zu sein und immer noch begeistert…

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