Über den Wolken

Die vorherrschende Inversionswetterlage bewog meinen Kumpel Sven und mich, den Tieflagen des Rheintals kurz zu entfliehen und einen halben Tag auf dem Feldberg zu verbringen. Während es in Freiburg mehr oder weniger neblig ist und die Spitzen der Kirchtürme schon nicht mehr zu sehen sind, ist es in den Hochlagen des Schwarzwaldes absolut klar. Auf dem Feldberggipfel fühlten wir uns wie auf einer Insel im Nebelmeer und konnten außergewöhnlich gut zu den Alpen, Vogesen und zur Schwäbischen Alb hinüberschauen. Zudem war es angenehm warm, nur in den Schatthängen lagen Reste der ersten Schneefälle.

Für ein wenig Ablenkung von der Aussicht und der Verlockung, sich bei gut 15° einfach mal in die Sonne zu legen, sorgte ein jagendes Hermelin. Der flinke Geselle erwies sich als äußerst schwer zu fotografieren und verschwand nach einer Viertelstunde in einem seiner Erdlöcher. Vorher gelangen uns noch Aufnahmen, als es vor uns quer über das Gelände des Deutschen Wetterdienstes rannte (wobei „rennen“ die flummiähnlichen Sprünge nur unzureichend beschreibt).

Danach legten wir uns natürlich doch noch mal in die Sonne – muß man ja ausnutzen – und standen zum Sonnenuntergang wieder auf, um zuzuschauen, wie die Sonne im Nebelmeer versank.

Kurz nach Sonnenuntergang leuchtete der Himmel noch zartrosa. Beim Blick nach Süden zeigten sich hinter den Hochlagen des Südschwarzwaldes die Alpen besonders schön. Kann man empfehlen!

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Im Nebelwald von Monteverde

Die Costa-Rica-Bilder sind noch nicht abgearbeitet! Ein Highlight war der Besuch im Monteverdegebiet. Diese Bergwälder liegen zwischen 1600 und 1800 Meter im Westen des Landes und werden den sogenannten Nebelwäldern – einer bestimmten Art des tropischen Regenwalds – zugerechnet. Das heißt, die Berge sind fast immer neblig und wolkenverhangen, es ist relativ kühl und die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Die Wälder, die ich zuvor im Nordwesten rund um unsere Station kennengelernt hatte, waren damit verglichen staubtrocken. Dementsprechend ist die Vegetation der Nebelwälder nochmal um einiges dichter, vor allem Epiphyten wie Bromelien, Farne, Moose und Orchideen gedeihen prächtig.

Das Gebiet ist, vorsichtig gesagt, touristisch gut erschlossen. Von der Transamericana fährt ein klappriger Bus über eine ausgesprochen schlecht ausgebaute Straße hinauf in die Berge und lädt einen nach zweieinhalb Stunden in dem Örtchen Santa Elena ab, welches unmittelbar neben dem großen Monteverdeschutzgebiet liegt. Man wird, kaum aus dem Bus gekrabbelt, von Menschenfängern umringt, die einem Übernachtungsmöglichkeiten, Besuche im Schlangenhaus, Bungeespringen, geführte Nachttouren, Kaffee, Taxis und wasweißich andrehen wollen. Eine kurze Inspektion des Örtchens fördert zutage, daß es ausschließlich auf das Ausnahmen der westlichen Touristen ausgelegt ist, was hervorragend zu funktionieren scheint. Übernachten kann man zwar recht günstig (9$ im Hostel), für alles andere werden aber ohne mit der Wimper zu zucken Apothekenpreise verlangt und auch bezahlt. Außer Hotels und Restaurants gibt es selbstverständlich ein florierendes Gewerbe mit Souvenirs, welches dem Touristen die ersehnte Möglichkeit gibt, allerlei unnützen Tand zu kaufen. Panamahüte mit dem Logo einer populären Brauerei gehören noch zu den praktischsten Sachen.

Wenn man hier unvorsichtig behauptet, man wolle eigentlich nur ein wenig wandern und sich den Wald angucken – möglicherweise noch naiv nach einer Karte fragt – , schaut einen der Hostelmensch kurz schräg an und beginnt dann einen langen Vortrag. Der Vortrag wird dank jahrelanger Übung sehr flüssig vorgetragen und ist im Wesentlichen des Inhalts, daß

[…] the next bus to bungee jumping goes in half an hour und if you want to see animals, don’t go to the forest, because you won’t see any. Take a guided tour, it starts at 11, 14, and 16:30. It is 30$ per person, the bus goes right here in 10 minutes and is included. You can go where you want will come back two hours later, and then you can chill out in the lounge or check the restaurants. You can also write postcards! But the best is, you can do Canopying, which means you swing at a rope through the forest like Tarzan for 45$, or like Superman for 55$, the bus for Superman Canopying goes at 12 o’clock […]

Natürlich ist das alles äußerst reizvoll, aber da wir den Wald nicht als Vergnügungspark nutzen wollten, sondern zum Spazierengehen (altmodisch!), entschieden wir uns schließlich für einen Rundgang über 10 Canopy-Brücken. Die hat man dort dankenswerterweise über die Täler gespannt, sodaß der Besucher den Wald von oben sehen kann. Da der Hostelmensch uns von den Gefahren eines Fußwegs bis zum Ausgangspunkt der Brückentour überzeugt hatte (immerhin wären knapp fünf Kilometer zu bewältigen gewesen, und bis dahin kann man leicht verdursten), nutzten wir einen der kleinen Touribusse, um hinzukommen. Die Brückentour war dann zugegebenermaßen gar nicht mal ganz so schlecht.

Nachdem wir den Schock dieses Naturerlebnisses mit einer medizinisch vertretbaren Menge Rum ausgeglichen hatten, machten wir uns am nächsten Tag auf eine gefährliche Expedition und unternahmen an einer anderen Stelle einen Spaziergang. Im Monteverde Cloud Forest Reserve begegneten wir dann nur recht wenigen Menschen und hatten den ganzen Tag, um den Wald zu genießen und uns mit dem Erlebnistourismus zu versöhnen. Man muß dazu der Fairneß halber sagen, dass weit über 90% der Nebelwälder Vollschutz genießen und kein Weg hindurch führt; die Touristenvergnügungen werden geballt auf ein paar Hektarn angeboten. Die meisten Touris sind offenbar tatsächlich mehr auf Superman-Action aus als auf ein Kennenlernen der Natur, und wenn diese Bedürfnisse auf relativ kleinem Raum befriedigt werden können, ohne das Gebiet als ganzes zu belasten, ist das vielleicht gar kein schlechtes Konzept. Davon abgesehen sind auch wir Naturheinis letztlich auf unsere Kosten gekommen, wenngleich wir auf den Zirkus drumrum hätten verzichten können. Die Wälder sind, schlicht gesagt, toll.

Tropische Küstenvögel

Mit etwas Wehmut und Fernweh habe ich in den letzten Tagen die vielen Bilder aus Costa Rica durchgeschaut. Heute gibt’s einen weiteren Rückblick. Ich bleibe thematisch erstmal an der pazifischen Küste, von der ich ein paar schöne Stückchen zu Gesicht bekam. Für die karibische Küste hat es leider zeitlich nicht mehr gereicht, da das Reisen dort beschwerlicher und langsamer vonstatten geht als in Mitteleuropa. Aber der Pazifik hat natürlich auch sehr viel zu bieten, ich konnte eine große Zahl interessanter Vogelarten und anderer Sachen beobachten und will hier ein paar davon vorstellen.

Braunpelikane erfüllen sozusagen die Funktion, die bei uns Möwen haben: In Schwärmen hinter Fischerbooten herfliegen, entspannt suchend herumsegeln und gelangweilt in den Häfen sitzen. Sie erfüllen sie offenbar ziemlich gut, denn man sieht tatsächlich keine Möwen, die ihnen diese Nische streitig machen würden.

Ein anderer häufiger Vogel ist die Dohlengrackel, deren Gesang ihrem klangvollen Namen voll gerecht wird. An den Küsten üben die Grackeln fleißig, Watvögel nachzuahmen, indem sie am Spülsaum umherhüpfen und angespülte Nahrung aufnehmen. Sie fürchten sich aber vor dem Wasser und sind daher ständig in Bewegung.

Aber natürlich gibt es, wie an jeder anständigen Küste, auch echte Watvögel zu sehen. Viele von ihnen kommen hier auf dem Zug aus Nordamerika vorbei, man sieht sogar aus Europa vertraute Arten wie Steinwälzer und Regenbrachvogel, die zirkumpolar brüten.

In den Mangrovensümpfen findet man weitere schöne Arten. Den Rotbrustfischer, den größten Eisvogel Amerikas, fand ich ebenso beeindruckend wie den Nacktkehlreiher, welcher an eine Rohrdommel erinnert. Auch Schnee-, Grün-, Silber- und Dreifarbenreiher habe ich ein paarmal gesehen, aber keine zeigbaren Bilder zustandebekommen.