Wildgänse am Niederrhein

Bläßgänse (Anser albifrons)

Schon seit ein paar Wochen hatte ich geplant, in den Semesterferien mal wieder an den Niederrhein zu fahren und überwinternde Gänse zu beobachten. Heute war ich dann ein paar Stunden im Bereich der Bislicher Insel bei Xanten unterwegs und kam gänsemäßig voll auf meine Kosten. So viele wie heute habe ich dort noch nie gesehen – es gehört ein bißchen Glück dazu, daß sich die Tiere auf den besser einsehbaren Flächen aufhalten. Heute waren die Wiesen und Weiden im Umkreis der Wege voll mit Tausenden von Bläßgänsen, zudem flogen ständig Trupps hin und her, und ihre Rufe waren ohnehin pausenlos zu hören. Teilweise standen sie sogar recht nah bei der Straße und haben sich offenbar zumindest in Siedlungsnähe an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt, da sie von Spaziergängern und Ornis ab einer Distanz von 30-40m kaum noch Notiz nahmen.

Ein kleines ornithologisches Highlight waren dann vier Zwergsäger, die ich an einem der vielen Altarme auf große Distanz sehen konnte – eine Art, die ich in der Region bisher noch nicht gesehen hatte.

irgendwo da hinten!
Vier Zwergsäger (Mergellus albellus), außerdem zwei Stockenten und ein Haubentaucher

Als weitere aufregende Beobachtungen zunächst ausblieben, stellte ich fest, daß vertrockneter Staudenknöterich eigentlich auch gar nicht unfotogen ist. Unter ökologischen Gesichtspunkten ist das gewiß eine gräßliche Pflanze, die alles andere niedertrampelt und sich unmöglich ausrotten läßt – unangenehme Eigenschaften, die sie mit vielen invasiven Neophyten teilt. Rein fotografisch betrachtet, lohnt es aber vielleicht doch, sich mit ihr auseinanderzusetzen (obwohl der folgende Versuch einer fotografischen Annäherung vermutlich eher mißglückt ist).

Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica); vertrocknet und damit vorübergehend unschädlich, geschieht ihm recht

Zum nächsten Bild gibt’s keinen Text, mangels literarischem Erfindungsreichtum. Egal.

Die mit den roten Augen

Da ich seit dem letzten Eintrag nicht mehr zum Fotografieren gekommen bin und trotzdem gerne mal wieder was schreiben möchte (man muß ja die Leser irgendwie bei der Stange halten), gibt’s heute ein kleines Portrait einer Artengruppe aus der Familie der Kleinlibellen: Die Erythromma-Arten.

In Europa gibt es drei Spezies aus dieser Gattung: Das Große Granatauge (Erythromma najas), das Kleine Granatauge (E. viridulum) und die Pokal-Azurjungfer (E. lindenii). Die dritte Art wird erst seit kurzer Zeit dazugezählt und hieß vorher Cercion lindenii, wobei man sich gewiß dadurch ablenken ließ, daß die Art im Gegensatz zu den beiden anderen nicht die charakteristischen roten Augen hat. Diese knallroten Komplexaugen findet man bei den heimischen Kleinlibellen sonst nur bei Früher und Später Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula und Ceriagrion tenellum). Allen genannten Arten ist gemeinsam, daß nur die Männchen rote Augen haben; um die Damen auch noch auszustatten, fehlte offenbar das Geld.

Großes Granatauge, junges Weibchen (Uckermark, Mai 2010)

Die Männchen der Gattung Erythromma weisen ein charakteristisches Verhalten auf: Tagsüber halten sie sich oft unmittelbar über der Wasseroberfläche auf, einige Meter entfernt vom Ufer, und besetzen dort Reviere. Diese verteidigen sie von Sitzwarten wie Wasserpflanzen oder herausschauendem Totholz aus. Aufgrund dieser Lebensweise sind sie nicht immer leicht zu entdecken. Nur zum Übernachten suchen sie den Uferbereich auf. Die Weibchen hingegen leben eher in der Peripherie des Gewässers; mit den Männchen treffen sie im Uferbereich zusammen, wo dann auch Paarung und Eiablage erfolgen.

Kleines Granatauge, Männchen auf treibenden Algen (Südfrankreich, Juli 2009)

Alle drei Arten besiedeln stehende oder nur sehr schwach fließende Gewässer; die beiden Granataugen benötigen zudem eine reiche Wasservegetation. Ihre Lebensgewohnheiten verlangen ja Ansitzmöglichkeiten wie Teichrosenblätter und dergleichen auf der offenen Wasserfläche. Die Pokal-Azurjungfer hingegen zieht relativ vegetationsarme Gewässer vor und ist z.B. an Baggerseen nicht selten.

Pokal-Azurjungfer, Männchen (Raum Köln, August 2011)
Pokal-Azurjungfer, Paarungsrad (Oberrhein, Mai 2011)

Erythromma najas und E. viridulum sehen sich recht ähnlich. Am einfachsten ist die Bestimmung nach meinen Erfahrungen an der Färbung der 2. und 8. Abdominalsegmente festzumachen, die beim Großen Granatauge genauso grau sind wie die dazwischen, beim Kleinen hingegen seitlich hellblau. Man vergleiche nur einmal das weiter oben abgebildete Exemplar des Kleinen Granatauges mit diesem Großen:

Großes Granatauge, Männchen (Oberrhein, Mai 2011)

Andere Merkmale wie z.B. die unterschiedliche Zeichnung auf der Oberseite des 10. Segments sind nach meinen Erfahrungen nicht ganz so praxistauglich, da man diese mit bloßem Auge kaum noch erkennt – zumal sich die Tiere ja ohnehin meist einige Meter vom Ufer entfernt aufhalten.

Auch die Weibchen der Granataugen sind nicht leicht auseinanderzuhalten, da verweise ich lieber auf die richtige Bestimmungsliteratur (z.B. DIJKSTRA 2006). Die von E. lindenii sind dagegen in der Regel recht leicht zu erkennen, da die Farbkombination ihres Hinterleibs (Grundfarbe grünlichgelb, in der Mitte hellblau) unter den heimischen Kleinlibellen einzigartig ist.

Pokal-Azurjungfer, Weibchen im Heidekraut (Raum Köln, August 2010)

Allerdings gibt es noch andere Farbmorphen, die eine Bestimmung erschweren können, z.B. mit bläulicher oder grünlicher Grundfärbung.

Interessant ist übrigens der Verbreitungswandel der drei Arten in den letzten Jahren. Prinzipiell ist E. najas wesentlich weiter nördlich verbreitet als die beiden anderen Arten. Im Zuge des Klimawandels haben sich aber E. viridulum und E. lindenii stark ausgebreitet und sind heute bei uns viel häufiger als noch vor wenigen Jahren. Wegen der ähnlichen Lebensraumansprüche hat das Kleine Granatauge, das aufgrund seiner mediterranen Herkunft besser mit hohen Temperaturen klarkommt, das Große inzwischen mancherorts zurückgedrängt. Gleichzeitig ist die Pokal-Azurjungfer lokal zu einer der häufigsten Libellenarten geworden. Die weitere Entwicklung dieser interessanten Gattung bleibt abzuwarten.

Unterwegs an der Dreisam

Gestern war ich mal wieder kurz mitten in Freiburg fotografieren. Die Dreisam ist zwar dank brutalster Kanalisierungsmaßnahmen nicht unbedingt als naturnah einzustufen (und in ihrer schnurgeraden Ausrichtung auch nicht als besonders schön), aber wenn man sich die richtigen Ausschnitte sucht, sind durchaus Bilder möglich, denen man nicht ansieht, daß sie im Stadtzentrum entstanden sind…

Schilfrohr am Abend

Der Fluß führte nach den kräftigen Regenfällen der letzten Tage recht viel Wasser, wodurch sich die Gelegenheit zu etwas anderen Bildern ergab.

Treibgut im Hochwasser

Den Abschluß der kurzen Tour machte dann einer der anwesenden Graureiher. Wie so oft in größeren Städten haben sie sich hier an die Nähe der Menschen gewöhnt und reagieren auf Annäherung extrem gleichgültig. Diesen hier konnte ich bei einsetzender Dämmerung fast eine Stunde lang begleiten und aus wenigen Metern Entfernung mit dem Weitwinkel fotografieren.

Graureiher (Ardea cinerea) im Hochwasser
Graureiher (Ardea cinerea) im Licht der Straßenlaternen